Expert Circle Oktober 18, 2016

Exklusives Interview mit Christoph Stoica zu den neuesten Entwicklungen bei Micro Focus

Ende August gab es für manche überraschend die Ankündigung, dass Micro Focus und Hewlett Packard ihre Softwaregeschäfte zusammenlegen wollen. Kurz nach der Bekanntgabe des geplanten Mergers mit der HPE-Software-Sparte kündigt Micro Focus nun die Übernahme des Enterprise-Information-Archiving-Spezialisten GWAVA an.

Damit avanciert Micro Focus zu einem der am schnellsten wachsenden Software-Unternehmen für Infrastruktur Lösungen. Gerade die neueste Akquisition von GWAVA ist nicht nur für die Open Horizons Community eine besonders spannende Neuigkeit.

Wir hatten die Gelegenheit mit Christoph Stoica, General Manager für die Region DACH auf dem Micro Focus Summit in Berlin und im Nachgang nach Bekanntgabe der Akquisition von GWAVA zu sprechen.

 

 

Marco Mikulits, Open Horizons:
Was bedeutet die jüngste Übernahme von GWAVA für das Micro Focus Ecosystem?

Christoph Stoica, Micro Focus :
Ich freue ich mich mit GWAVA einen uns bestens bekannten, langjährigen und loyalen Hersteller jetzt in der Micro Focus Firmenfamilie begrüßen zu können. Für unsere Kunden, Partner und die Open Horizons Community unterstreicht die Übernahme unser langfristiges Bekenntnis zum Collaboration-Markt, in dem wir mitbewährten Technologien wie Micro Focus GroupWise und Vibe stark engagiert sind. Mit den GWAVA-Lösungen erweiteren wir unser Angebot um Lösungen die dabei helfen die wachsenden Herausforderungen in Bezug auf Compliance, Datenschutz und regulatorische Anforderungen in der Unternehmenskommunikation besser zu bewältigen.

Marco Mikulits:
Neben dem umfangreichen Lösungsangebot für  Datensicherung, Optimierung, Sicherheit und Compliance für Micro Focus GroupWise besitzt GWAVA mit dem Produkt „Retain“ auch eine preisgekrönte Lösung im Bereich der Enterprise-Information-Archiving (EIA). Inwiefern stellt gerade „Retain“ eine perfekte Ergänzung zum Micro Focus Portfolio dar?

Christoph Stoica:
Bei EIA geht es darum, die gesamte Unternehmens- und Geschäftskommunikation an einem zentralen Ort zu archivieren – eine der wichtigsten Anforderungen ist dabei unterschiedlichste Kommunikationsplattformen zu integrieren: Exchange, Office 365, Gmail oder GroupWise, Social Media, Instant Messagig und auch Text Messaging über mobile Geräte. Die effektive Absicherung  der Unternehmenskommunikation ist gerade bei unseren global aufgestellten Kunden ein wichtiges Thema. Bei Micro Focus hatten wir uns hier bislang vor allem auf GroupWise-Umgebungen konzentriert – mit den GWAVA-Lösungen unterstützen wir nun nahezu alle wichtigen Kommunikationsplattformen im Markt.

Marco Mikulits:
Kunden reagieren auf Ankündigungen von Fusionen oder Geschäftsübernahmen oftmals mit Skepsis und Verunsicherung. Was bedeutet der angekündigte Deal zwischen Micro Focus und der Softwaresparte von Hewlett Packard Enterprise jetzt konkret für die Kunden und Partner?

Christoph Stoica:
Zunächst einmal möchte ich betonen, dass dieser Deal schon recht außergewöhnlich ist – Mit der geplanten Fusion der Softwaresparte von HPE steigt Micro Focus in die erste Liga der größten Technologiefirmen auf. Die neue globale Präsenz des Unternehmens und die damit einhergehend Bedeutung  wird auch durch die Aufnahme der Aktie in den britischen Blue-Chip-Index FTSE 100 verdeutlicht. Unsere Kunden können somit sicher sein, dass wir nach wie vor  Software-Innovation sowohl für traditionelle als auch aufkommende IT-Marktsegmente weiter vorantreiben werden.

Marco Mikulits:
Was wird sich für die Kunden konkret ändern? Muss man sich vielleicht an einen neuen Firmennamen gewöhnen?

Christoph Stoica:
Nein, auch nach dem voraussichtlich im dritten Quartal 2017 vollzogenem Deal wird das Unternehmen unter dem Namen Micro Focus weiter geführt werden.. Mit dem  Zusammenschluss beider Firmen werden wir sowohl unseren Umsatz als auch die Belegschaft verdreifachen. Das schafft die nötige Flexibilität und auch Finanzkraft, Software-Innovationen kontinuierlich weiter zu entwickeln  und gleichzeitig unseren Kunden dabei zu helfen, die vorhandene IT-Infrastruktur effektiv mit neuartigen Technologien zu ergänzen, um somit aktuelle  Anforderungen bestmöglich zu erfüllen.  Die Portfolios der beiden Unternehmen ergänzen sich hervorragend – das gemeinsames Portfolio wird Kunden noch mehr Breite und Tiefe in den Bereichen IT Operations Management, Software Delivery & Test, Enterprise Security, Information Management & Governance und Big Data Analytics bieten.  Das versetzt uns in die Lage, umfangreichere Lösungen anzubieten, den Wert vorhandener IT-Assets zu maximieren und bestehende IT-Infrastrukturen, Geschäftslogik und Daten  „fit zu machen“ für die Anbindung an neue Technologien.

Marco Mikulits:
Inwiefern ändert sich durch die geplante Fusion die langfristige Unternehmensstrategie?

Christoph Stoica :
Die geplante Fusion mit HPE Software steht auch im Einklang mit unseren jüngsten Akquisitionen von Serena Software und der Attachmate Group vor knapp 2 Jahren.  Unsere Unternehmensstrategie bleibt unverändert bestehen – wir werden auch weiterhin in die Weiterentwicklung von  etablierten, bewährten und von Kunden geschätzten Produkten investieren. Wir werden auch weiterhin unsere Kunden dabei unterstützen,  innovativ zu bleiben ohne Risiken einzugehen und Brücken für die Zukunft zu bauen.

Marco Mikulits:
Verlassen wir doch jetzt mal das Feld der strategischen Unternehmensneuigkeiten und widmen wir uns aktuellen Themen wie der Digitalisierung und den damit verbundenen Möglichkeiten und Herausforderungen. Auf dem #MF Summit, der kürzlich in Berlin stattfand, hatten Sie Gelegenheit die zentralen Fragen, die Unternehmen und vor allem die IT-Abteilungen beschäftigen, zu diskutieren.

Wie fällt  Ihr Fazit aus, welche  Themen und Herausforderungen stehen bei den Kunden an erster Stelle?

Christoph Stoica:
Generell kann man sagen, dass im Zuge der digitalen Transformation die Erwartungen an die IT-Abteilungen in den meisten Unternehmen sehr hoch und teils diametral sind. Flexibel, skalierbar, präzise und schnell, vorausschauend, wirtschaftlich, einfach und innovativ aber auch sicher und effizient …die Wunschliste der Unternehmensführung an die IT lässt sich beliebig fortsetzen. Es wird erwartet, dass wichtige IT-Innovationen schnell und dynamisch eingesetzt werden und nebenbei die laufenden IT-Services für das Unternehmen solide, sicher und kostengünstig unterstützt werden – ein schwieriger Spagat.

Die Unternehmen haben verstanden, dass wir die Abläufe in der IT insgesamt effizienter gestalten müssen, um diesen Spagat zu bewältigen. Prozessautomatisierung in Anwendungsentwicklung, IT-Betrieb und IT-Sicherheit stehen daher ebenso im Fokus wie verbesserte Abläufe über diese Bereiche hinweg – Stichwort DevOps. Eine zentrale Herausforderung ist dabei, wie man diese Effizienzsteigerung mit der bestehenden Infrastruktur erreicht – der Appetit auf Technologiewechsel in der Infrastruktur hat spürbar nachgelassen. Diese Entwicklung darf uns nicht überraschen: Technologiewechsel bringen für das Unternehmen selten einen direkten Mehrwert, binden dabei aber erhebliche Mittel und Ressourcen. Von der IT wird aber erwartet einen meßbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.

Marco Mikulits:
Zum Abschluss unseres Interview möchte ich noch einen Glückwunsch loswerden. Vor wenigen Tagen, also um genau zu sein am 26. September 2016 feierte Micro Focus seinen 40. Geburtstag. Gerade in der schnelllebigen IT-Branche sind 40 Jahre durchgängige Marktpräsenz nicht alltäglich. Was ist die Erfolgsformel des Unternehmens?

Christoph Stoica:
Micro Focus hat sich stets zum Ziel gesetzt Unternehmen dabei zu unterstützen innovativ zu bleiben ohne Risiken einzugehen. Über all die Jahre haben wir vor allem in etablierte und von Kunden geschätzte Produkte investiert und diese stetig an veränderte Marktgegebenheiten und Anforderungen angepasst. Das ist nicht immer selbstverständlich, denn gerade in der IT-Branche stellt man immer wieder fest, dass Hersteller teils ganze Produktlinien, die für viele Kunden als Standard in ihrer Strategie gesetzt sind, einfach auslaufen lassen. Oftmals sind diese herstellerseitig getroffenen Entscheidungen betriebswirtschaftlichen Überlegungen geschuldet, – sei es, dass  Produktlinien nicht länger als strategisch relevant betrachtet werden, oder man in anderen Bereichen kurzfristig bessere Wachstums- und Ertragschancen für das eigene Unternehmen sieht – die zur Einstellung von Produkten führen. Ich glaube, die Kunden registrieren solche teils opportunistischen Verhaltensweisen jener Hersteller und zahlen denjenigen, die dies nicht zu ihrer Geschäftsstrategie machen, es mit Vertrauen und Treue zurück.

Das Interview für die Community führte Marco Mikulits während und im Nachgang zum #MFSummit, einem zweitägiger Konferenz, auf der Micro Focus zu aktuellen Themen und Herausforderungen für die IT Stellung bezog sowie tiefe Einblicke gewährte in das neu geschaffene Portfolio und hieraus resultierende Synergien, die durch den Zusammenschluss der Produktfamilien Attachmate, Novell, NetIQ, Borland, Micro Focus, Serena und jetzt auch GWAVA entstanden sind.


Zurück zur Übersicht


Partner

microfocus
sep
gwava